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Der russische Anti-Atom-Aktivist Raschid Alimow (40) ist tot. Er hinterlässt seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn. „Atemnot, eine weitere virusbedingte Lungenentzündung, Covid19“ sind, so die Sterbeurkunde, die Todesursachen.

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

mit großer Bestürzung haben wir am Wochenende aus Russland vom Tod unseres guten Freundes und langjährigen Mitstreiters Rashid Alimov erfahren. Rashid starb in einem Krankenhaus in St. Petersburg an den Folgen von Corona. Er wurde nur 40 Jahre alt. Wir trauern mit seiner Familie und seinen Freund*innen.

Rashid war ein sehr warmherziger, zurückhaltender, freundlicher, aber auch sehr entschlossener Umweltaktivist. Mit Rashid zusammenzuarbeiten war immer eine große Freude. Wir alle konnten von seinem Sachverstand, seiner ruhigen Art und seinem bewundernswerten Engagement unter den sehr schwierigen Bedingungen in Russland profitieren. Über die Jahre entwickelten sich feste Freundschaften – Rashid war ein wichtiges Bindeglied zwischen der russischen, deutschen und niederländischen Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung.

Seit 2006 haben die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland und weit darüber hinaus mit Rashid sehr intensiv am Stopp der Uranmülltransporte von Gronau nach Russland zusammengearbeitet. Der Stopp dieser Transporte lag ihm sehr am Herzen und so haben wir uns kennengelernt. Immer wieder gab es in St. Petersburg Proteste gegen diesen Atommüll-Wahnsinn. Dafür nahm Rashid auch Repressionsmaßnahmen in Kauf, zuletzt bei einer Protestaktion in St. Petersburg im Dezember 2019. Von seiner Arbeit hat ihn das nicht abgehalten. In St. Petersburg war er zunächst in der Gruppe Ecoperestroika tätig, seit 2012 dann als Energie- und Atomexperte für Greenpeace Russland. Sein Ziel war klar: ein Russland und eine Welt ohne Atomkraft.

In Deutschland war Rashid über all die Jahre ein sehr gern gesehener Gast. Er sprach auf Demos u. a. in Gronau, Ahaus, Lingen, Münster oder auch vor dem AKW Krümmel, protestierte gegen Urenco und deren Miteigentümer RWE und EON – setzte sich für den internationalen Atomausstieg ein. Auf vielen Konferenzen brachte er die Vernetzung der russischen und deutschen Anti-Atom-Bewegung voran. Sein persönlicher Einsatz war enorm.

Sehr groß war seine Erleichterung, als 2009 die Uranmüllexporte von Gronau nach Russland zunächst eingestellt wurden - und entsprechend groß die Enttäuschung über die verantwortungslose Wiederaufnahme 2019. Zuletzt war Rashid im November 2019 im Münsterland. Er nahm an den Protesten gegen einen dieser Uranmüllzüge teil und war total glücklich, dass dieser Zug bei Metelen über mehrere Stunden gestoppt wurde. Direkt vor Ort leitete er die Pressearbeit für Russland ein, die zu sehr vielen Berichten führte. Zurück in St. Petersburg stieß er sofort eine Online-Kampagne an. Im Januar überreichte er dann mit Vertretern der russischen Umweltorganisation Ecodefense mehr als 70 000 Unterschriften im Bundesumweltministerium in Berlin an Staatssekretär Flasbarth.

Für deutsche Journalist*innen war Rashid in Russland ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um Atomthemen ging. Immer wieder wurde er zitiert, sei es zu dem neuen, gefährlichen AKW-Schiff oder zu Störfällen in russischen Atomanlagen. Gerade erst veröffentlichte Greenpeace eine Studie zu den Folgen von Tschernobyl mit seiner Beteiligung. Nicht nur die russische Umweltbewegung verliert deshalb eine wichtige Stimme.

Gerne wäre Rashid auch dieses Jahr öfter nach Deutschland gekommen, um an weiteren Protesten teilzunehmen. Die Reisebeschränkungen wegen Corona erlaubten dies nicht. Wir hatten noch so viel gemeinsam vor – Rashid hatte immer Ideen und verlor dabei niemals seinen stillen Humor.

Wir sind zutiefst schockiert über seinen frühen Tod. Aber wir werden seine Arbeit fortsetzen und diese Uranmüllexporte endgültig stoppen, den Atomausstieg grenzüberschreitend voranbringen sowie die deutsch-russische Zusammenarbeit der Umweltbewegungen intensiv weiterführen.

Wir haben einen guten Freund verloren - Rashid fehlt uns.

Trauernde Grüße
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
Arbeitskreis Umwelt Gronau
SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
BI "Kein Atommüll in Ahaus"
Arbeitskreis Umwelt Schüttorf
Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland
BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
Antiatom-Bündnis Niederrhein
AntiAtom Bonn
Don't Nuke The Climate
Robin Wood

Wir verlinken auch den Nachruf von Greenpeace Deutschland
(mit Fotos von Rashid):
https://www.greenpeace.de/themen/ueber-uns/trauer-um-rashid-alimov

 

Nachtrag 04. Januar 2021

Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
Mitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
c/o Siedlerweg 7
48599 Gronau
02562-23125


04.01.2021

Pressemitteilung

Grußworte aus Russland (am 3.1.2021) bei der Trauermahnwache für Raschid Alimow vor der Gronauer Urananreicherungsanlage

Rund 30 Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner beteiligten sich am Sonntag (3.1.2021) an einer Trauermahnwache vor der Urananreicherungsanlage in Gronau für Raschid Alimow, der am 17.12.2020 im Alter von nur 40 Jahren in Russland an einer Corona-Erkrankung gestorben ist. Als international aktiver Atomkraftgegner war Raschid Alimow auch mehrfach in Gronau, um gegen die umstrittenen und gefährlichen Uranmülltransporte von Gronau nach Russland zu demonstrieren. Zuletzt war er im Herbst 2019 in Gronau.

Gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen hatte der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung für Raschid Alimow eingeladen „Zur Beerdigung nach Russland konnten wir nicht fahren. Aber die Möglichkeit der gemeinsamen Trauer war wichtig“, so der AKU Gronau in einer Pressemitteilung.

Nach der halbstündigen Trauermahnwache wurden zwei Grußworte aus Russland vorgelesen. In einem Grußwort von Aleksandra Koroleva von der russischen Umweltorganisation “Ecodefense!” hieß es: „Rashid war eine der bekanntesten Persönlichkeiten der russischen Anti-Atom-Bewegung. Er nahm an zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen gegen die gefährlichen Pläne der Atomindustrie teil und organisierte diese.”

Foto vom Trauermarsch

In einem weiteren Grußwort von Vladimir Slivyak von „Ecodefense!“ wurde betont, dass Raschid Alimow „ein grundsätzlicher Gegner der Atomindustrie war. Wenn er heute dabei sein könnte, würde er sich freuen Euch alle zu sehen und er würde Euch auffordern den Protest gegen die Atomindustrie so lange Ihr könnt fortzusetzen.“

Persönlich anwesend bei der Trauermahnwache war Bernhard Clasen, ein Freund und Dolmetscher von Raschid Alimow. Er nutzte die Gelegenheit und informierte bei der Gedenkveranstaltung über das vielfältige und konsequente Engagement von Raschid Alimo für den Umweltschutz und gegen die Atomindustrie. Seine Botschaft:

„Was ich am meisten an Raschid schätze war seine Eigenschaft, mit einem Lächeln "Nein" zu sagen gegenüber lebensfeindlichen Strukturen. Als ihm bei der EON-Aktionärsversammlung 2010 zu verstehen gegeben wurde, dass er sein Aufnahmegerät abschalten soll, hatte er lieb gelächelt - und das Gerät angeschaltet gelassen. Auch um das Verbot, sich bei seiner Rede vor den EON-Aktionären photographieren zu lassen, hat er sich nicht geschert.

Man sagt, Menschen werden müde, jeden Abend und am Lebensabend. Doch Raschid war nicht müde. Wenige Tage vor seinem Tod, als die Ärzte ihn schon aufgegeben hatten, hatte er um jede Minute gekämpft. Er hat solange "Nein" gesagt, wie er konnte.“

Beendet wurde die Gedenkveranstaltung mit einer Schweigeminute.

Freundinnen und Freunde von Raschid Alimow möchten seine Familie mit einer Spendensammlung unterstützen. Eine Spende an die Familie bedeutet eine echte Unterstützung und ist mehr als ein Symbol.
Informationen zur Spendensammlung unter https://www.betterplace.me/die-antiatomfamilie-spendet-fuer-rashid

In einem Nachruf mehrerer Umweltorganisationen, darunter auch der AKU Gronau und die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ heißt es: „Raschid war ein sehr warmherziger, zurückhaltender, freundlicher, aber auch sehr entschlossener Umweltaktivist. Mit Raschid zusammenzuarbeiten war immer eine große Freude. Wir alle konnten von seinem Sachverstand, seiner ruhigen Art und seinem bewundernswerten Engagement unter den sehr schwierigen Bedingungen in Russland profitieren. Über die Jahre entwickelten sich feste Freundschaften – Raschid war ein wichtiges Bindeglied zwischen der russischen, deutschen und niederländischen Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung“ Und weiter heißt es: „Für deutsche Journalist*innen war Raschid in Russland ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um Atomthemen ging. Immer wieder wurde er zitiert, sei es zu dem neuen, gefährlichen AKW-Schiff oder zu Störfällen in russischen Atomanlagen. Gerade erst veröffentlichte Greenpeace eine Studie zu den Folgen von Tschernobyl mit seiner Beteiligung. Nicht nur die russische Umweltbewegung verliert deshalb eine wichtige Stimme.“

Nach der Gedenkveranstaltung fand der traditionelle Sonntagsspaziergang an der Gronauer Urananreicherungsanlage statt. Mit dieser Aktion wird seit Ende 1986 immer am ersten Sonntag im Monat die Forderung nach der sofortigen Stilllegung der Urananreicherungsanlage unterstrichen.

Weitere Informationen über das Wirken von Raschid Alimow:

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FROHE WEIHNACHTEN - GUTEN RUTSCH - GUTES NEUES JAHR!

 

 

Für die kommenden Feiertage wünschen wir allen unseren Mitgliedern, Freunden und Mitstreitern eine schöne, erholsame Zeit und vor allem Gesundheit, Spaß und gute Gespräche.

In der Ruhe liegt die Kraft, so wird gesagt, die brauchen wir dann auch wieder im neuen Jahr.

Bis dahin!

Alles Gute, frohe Feiertage und einen guten Rutsch wünscht die BI "Kein Atommüll in Ahaus".

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„Fachkonferenz Teilgebiet Münsterland“ will sich einmischen

In einem ersten Schritt im Prozess der „Endlagersuche“ hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) große Teile des Münsterlandes sowie angrenzende Gebiete in Ostwestfalen und im südlichen Niedersachsen als potenzielle Standortregion ausgewiesen. Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ hat deshalb jetzt eine erste Online- „Fachkonferenz Teilgebiet Münsterland“ durchgeführt, zu der alle Interessierten eingeladen waren.

Ziel der Konferenz war, die staatlich beauftragten Akteure der Endlagersuche nicht unkontrolliert gewähren zu lassen, damit die Fehler der vergangenen 40 Jahre nicht wiederholt werden!

Eine solche kritische Begleitung durch alle betroffenen Bürger*innen soll sachfremde politische Erwägungen bei der Standortwahl, etwa das Prinzip des „geringsten Widerstandes“, ausschließen.

Teilgenommen haben an der Konferenz 35 Menschen aus allen Kreisen des Münsterlandes, aber auch aus dem Osnabrücker Raum und Ostwestfalen. Außer Mitgliedern von Bürgerinitiativen waren darunter auch Mitglieder von Bundestag, Gemeinde- und Stadträten, Gemeindeverwaltungen und einige Bürgermeister, aber auch Geologen.

Für die nächste Zeit wurden folgende Zielsetzungen der Fachkonferenz entwickelt:

  • Kritische Fragestellungen zum Thema zu entwickeln und sich auszutauschen,
  • Fachleute/Sachkundige zur Mitarbeit/Unterstützung zu gewinnen, vor allem aus dem Bereich der Geowissenschaften,
  • Den Schutz unserer Trinkwassergewinnung und die möglichen Auswirkungen des Klimawandels in die Standortdiskussion miteinzubeziehen,
  • Annahmen und Thesen der BGE einer kritischen Überprüfung zu unterziehen, um so theoretische Kriterien von technisch/wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen zu unterscheiden.
  • die gesamten Überlegungen und Meinungsbildungsprozesse für die Öffentlichkeit transparent zu gestalten und alle Erkenntnisse dieser Konferenz und der Folgeveranstaltungen zu veröffentlichen.
  • Weitere Interessierte für die Mitarbeit in der Fachkonferenz zu gewinnen.
  • Erkenntnisse über Aktivitäten weiterer staatlicher und kommunaler Institutionen zum Thema Endlagersuche zu gewinnen und mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

Die nächste Videokonferenz ist für Mitte Januar geplant.

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Der Sprecher der BI-Ahaus hat im Auftrag der BI Fragen an den Kreistag des Kreises Borken gesandt. Rechtzeitig zur Dezembersitzung, die am 17.12. ausnahmsweise in der Stadthalle Ahaus durchgeführt wird, wurden zwei Fragen zu den Aktivitäten des Kreises bezüglich der Endlagersuche im Münsterland gestellt.

Fragen:

  1. Wie beteiligt sich der Kreistag / Kreis Borken an der sog. Öffentlichkeitsbeteiligung, wie bereitet er sich auf die möglichen Fachkonferenzen Teilgebiete vor, welche Expertise bindet er in die Beteiligung ein und werden die knapper werdenden Trinkwasserressourcen geschützt?
  2. Wie öffnet der Kreis den Beteiligungsprozess für interessierte Bürger/innen, welche Formate, Hilfen und Expertise stellt er den Bürger/innen zur Verfügung und /oder nimmt er an der von der Bürgerinitiative initiierten „Fachkonferenz Teilgebiet Münsterland“ teil?

Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ e.V. hat über 40 Jahre Erfahrung im Umgang mit den Akteuren der Atommülllagerung. Sie hat wegen der extrem kurzen Fristen unverzüglich eine „Fachkonferenz Teilgebiet Münsterland“ initiiert. Die nächste Online-Konferenz zu der alle eingeladen sind, ist für Mitte Januar 2021 geplant.

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  • Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
  • Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
  • Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf
  • Bürgerinitiative "Kein Atomüll in Ahaus"
  • SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
  • Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland
  • Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
  • AntiAtom Bonn
  • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
  • IPPNW – Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung

 

Gronau, Münster, Lingen, Bonn, Berlin, 10. November 2020

 

RWE und EON vor Wiedereinstieg in AKW-Bau:
- Beteiligung via Urenco an AKW-Plänen in England
- Pläne für Modulreaktoren in den Niederlanden

Bundesregierung stimmt Urenco-Plänen trotz Atomausstieg zu

 

RWE und EON planen über ihre Beteiligung am Urananreicherer Urenco einen Wiedereinstieg in den Neubau von Atomkraftwerken. Konkret geht es nach einer Meldung von Urenco vom 28. Oktober um den Einstieg Urencos in ein Konsortium unter der Führung von EDF Energy zum Bau des geplanten Atomkraftwerks Sizewell C an der englischen Nordsee-Küste. In den Niederlanden plant Urenco nach einem Bericht der niederländischen Zeitung Tubantia vom 4. November den Bau eines sog. Modulreaktors mit bis zu 300 MW Leistung. Ende September hatte die niederländische Regierung allgemein angekündigt, neue AKW bauen zu wollen. Darauf reagieren jetzt Urenco, RWE und EON. Einer von drei benannten AKW-Standorten ist Eemshaven an der Nordsee, unmittelbar gegenüber von Borkum. Der dortige Bürgermeister kündigte bereits rechtliche Schritte an.

Für alle AKW-Baupläne von Urenco besitzt die Bundesregierung aufgrund internationaler Verträge die Aufsichtspflicht und damit verbunden ein Veto-Recht. RWE und EON besitzen ein Drittel der Anteile am Urananreicherer Urenco, die zwei anderen Drittel gehören dem britischen und dem niederländischen Staat.

Anti-Atomkraft-Initiativen sind von den AKW-Plänen entsetzt und fordern von Urenco, RWE und EON den sofortigen Abbruch dieser Planungen sowie ein Veto der Bundesregierung. Die Anti-Atomkraft-Initiativen kündigen zudem entschlossene Proteste an.

"Noch vor wenigen Tagen sprach das Bundesumweltministerium während des Castor-Transports stolz vom Atomausstieg in Deutschland. Doch nun steigen die beiden Großkonzerne RWE und EON wieder mit Vollgas in die Atomenergie ein und beteiligen sich über ihr Tochter-Unternehmen Urenco an zwei AKW-Neubauprojekten in Großbritannien und in den Niederlanden – und das zum Teil unmittelbar an der Grenze zu Deutschland. Wir sind fassungslos, dass die Auseinandersetzung um die Atomenergie zehn Jahre nach Fukushima von vorne beginnt," so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

"RWE und EON haben aus Reaktorkatastrophen nichts gelernt"

"Vor Fukushima wollten RWE und EON noch gemeinsam vier Atomkraftwerke in Großbritannien bauen. Diese Pläne wurden nach Fukushima auf Eis gelegt. Doch die Untoten der Atomindustrie stehen nun wieder auf – RWE und EON haben aus der Geschichte und den Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima nichts gelernt. Als Konsequenz sollten die verbliebenen Atomreaktoren in Deutschland sowie die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen umgehend stillgelegt werden, damit der Atomausstieg in Deutschland nicht weiter torpediert wird," erklärte Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

„Gerade die britische Regierung betreibt ihre Atompläne unter dem Deckmantel der „klimaneutralen Atomkraft“ letztlich auch für das eigene Atomwaffenprogramm. RWE und EON sitzen hier als Urenco-Anteilseigner mit im Boot. Die Bundesregierung muss ihre Aufsichtspflicht und ihr Veto-Recht über Urenco wahrnehmen. Es darf weder direkt noch indirekt eine Unterstützung des britischen Atomwaffenprogramms geben“, fordert Dr. med. Angelika Claußen, Europavorsitzende der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung).

Hintergründe zu Urenco:

Urenco ist ein britisch-niederländisch-deutscher Uranreicherer, der zu je einem Drittel dem britischen und niederländischen Staat gehört. Das deutsche Drittel teilen sich RWE und EON. Urenco betreibt in Gronau/Westfalen, in Almelo/NL, in Capenhurst/UK sowie in Eunice/USA insgesamt vier Urananreicherungsanlagen und ist damit nach der russischen Rosatom der zweitgrößte Urananreicherer weltweit.

Eigene Atomkraftwerke betreibt Urenco bislang nicht. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Urenco jedoch an der Konstruktion von sog. Small Modular Reactors (SMR), die in diesem Jahrzehnt erstmals gebaut werden sollen. Gemäß einer Antwort der Bundesregierung im Bundestag vom 11. November 2019 werden dazu u. a. Dutzende Standorte in Großbritannien und Kanada untersucht (Bundestags-Drucksache 19/15023, s. unten).

Der Urenco-Gründungsvertrag von Almelo (1970) billigt den drei Regierungen in London, Den Haag und Berlin weitgehende Aufsichtspflichten und -rechte zu. Strategische Entscheidungen können bei Urenco nur im Einvernehmen zwischen allen Anteilseignern und Regierungen getroffen werden. Das bedeutet, dass sowohl RWE und EON, aber auch die Bundesregierung ein Veto-Recht für derartige Entscheidungen besitzen.

Ein Grund dafür ist, dass die Urananreicherung grundsätzlich immer zur Anreicherung von atomwaffenfähigem Uran geeignet ist und Urenco z. B. auch mit dem US-Pentagon über gemeinsame Projekte verhandelt. In Großbritannien unterstützt die zivile Atomenergienutzung ebenfalls das militärische Atomwaffenprogramm. Anti-Atomkraft-Initiativen kritisieren die fortschreitende Militarisierung der Urananreicherung schon seit Jahren.

Quellen:

https://www.urenco.com/news/global/urenco-joins-sizewell-c-consortium

https://www.tubantia.nl/almelo/kerncentrale-in-het-klein-urenco-werkt-aan-nieuw-soort-minireactor~a0966950/?referrer=https%3A%2F%2Femail.t-online.de%2F

Hintergründe zu den sog. Modulreaktoren von Urenco:

https://dserver.bundestag.de/btd/19/150/1915023.pdf

Hintergründe zu den AKW-Plänen in NL/Eemshaven:

https://www.emderzeitung.de/lokales_artikel,-borkum-k%C3%BCndigt-klage-gegen-atom-pl%C3%A4ne-an-_arid,2076177.html

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Niederlande-erwaegen-Atomkraftwerk-Bau-in-Eemshaven,aktuelloldenburg5714.html

https://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/emden-hannover-energie-niedersachsen-gegen-atomkraftwerk-vor-haustuer_a_50,10,822142425.html

Hintergründe zu den britischen AKW-Plänen:

https://de.reuters.com/article/us-britain-nuclear-sizewell/uk-looking-at-funding-options-for-edfs-sizewell-c-nuclear-plant-idUSKBN26824E

Infos zu den AKW-Plänen von RWE/EON in GB bis 2012:

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kernkraftwerke-neue-reaktoren-werden-weltweit-geplant-und-gebaut/3755168.html?ticket=ST-5731185-0fNaggBtPeokDB0Opsj6-ap3

https://www.industryweek.com/the-economy/article/21941911/rwe-eon-pull-plug-on-horizon-nuclear-power-venture

Weitere Informationen:

www.sofa-ms.de, www.bbu-online, www.ippnw.de, www.bi-luechow-dannenberg.de

 

Kontakte für Rückfragen:

Matthias Eickhoff (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen): Tel. 0176-64699023

Kerstin Rudek (BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg): Tel. 05882-987435, 01590-2154831

Dr. Angelika Claussen (IPPNW): Tel. 0172-5882786

Udo Buchholz (AKU Gronau/BBU): Tel. 02562-23125

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Der monatliche Sonntags-Spaziergang, der im Dezember traditionell vor dem Ahauser Atommüll-Lager stattfindet, fällt in diesem Jahr aus. Angesichts der aktuellen durch die Corona-Pandemie gebotenen Einschränkungen sieht sich die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ zu dieser Absage veranlasst.

Welche öffentlichen Veranstaltungen oder Aktionen im neuen Jahr wieder möglich sind, kann jetzt noch nicht entschieden werden. Auf jeden Fall aber wird die Bürgerinitiative Mitte Januar eine weitere Online-Fachkonferenz für das mögliche „Teilgebiet Münsterland“ organisieren. Dabei geht es darum, dass sich betroffene Menschen aus dem Münsterland einmischen in den Entscheidungsprozess um die Festlegung eines bundesweiten Endlagers für hochradioaktiven Müll. In einem ersten Schritt hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) große Teile des Münsterlandes und angrenzende Gebiete als potenzielle Standortregion ausgewiesen. Der genaue Termin für die Fachkonferenz wird Anfang Januar bekanntgegeben.

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Aufgrund der Corona-Epidemie und der damit verbundenen Einschränkungen wird die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ im Monat November keinen öffentlichen Stammtisch durchführen. Auch der monatliche Sonntagsspaziergang muss ausfallen.

Jedoch findet die von der Bürgerinitiative initiierte „Fachkonferenz Teilgebiete Münsterland“ wie geplant als Video-Konferenz am Dienstag, dem 10. November, um 19 Uhr statt. Anlass für diese Konferenz ist die Tatsache, dass große Teile des Münsterlandes als potenzielle Standortregion eines Endlagers für hochradioaktiven Atommüll benannt worden sind. Bei der Videokonferenz soll es darum gehen, wie sich möglichst früh Menschen aus unserer Region in die Debatte um die Endlagersuche einschalten und eine Kontrollfunktion ausüben können.

Interessierte können sich per E-Mail zu der Videokonferenz anmelden.
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Die Konferenz wird mit freundlicher Unterstützung der Ahauser Firma Tobit durchgeführt werden.

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